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AUSSTELLUNG & VERANSTALTUNGSREIHE:

12.4. – 10.5.2026 »Überarbeit: The Reserve Army of (Precarious) Labor« mit Filipe Lippe & Vijai Maia Patchineelam

Vijai Maia Patchineelam, »Sudden Shifts«, 2012, Full HD Video, 22:16 Min., ohne Ton

»Überarbeit: The Reserve Army of (Precarious) Labor« ist ein transdisziplinäres Projekt, das von den Künstlern, Forschern und Pädagogen Filipe Lippe und Vijai Maia Patchineelam in Zusammenarbeit mit M. Bassy entwickelt wurde und eine Ausstellung mit einer Reihe von partizipativen Veranstaltungen verbindet. Das Projekt befasst sich mit Fragen im Zusammenhang mit aktuellen Umbrüchen in der Arbeitswelt und betont dabei die historische Verbindung zwischen kolonialer Sklaverei und der heutigen Prekarisierung der Arbeitsbedingungen unter dem Neoliberalismus. Es zeigt zudem auf, wie diese Verbindung in Kunst und Kultur wirkt. Das Begleitprogramm mit drei öffentlichen Formaten untersucht die historischen, rassistischen und ideologischen Dimensionen der Arbeit vom modernen Kolonialismus bis zur Gig-Economy und geht der Frage nach, wie Künstler*innen als prekär Beschäftigte dieses System hinterfragen können.

Die Ausstellung, Artist Talks, gemeinsame Reading und Listening Sessions, Filmvorführungen und Diskussionsrunden erproben Formen der kollektiven Zusammenarbeit und Community-basierte Praktiken, um sich der marktorientierten neoliberalen Hegemonie in der Kunst entgegenzustellen. Die Ausstellung, die Gemälde, Installationen, Videos und textbasierte Arbeiten der beiden Künstler präsentiert, ist als partizipative Installation konzipiert – als Studienraum, in dem Forschungs-materialien wie Bücher, wissenschaftliche Arbeiten, Filme und Aufzeichnungen zur gemeinsamen Untersuchung und Erweiterung zur Verfügung stehen. Die Veranstaltungen folgen dem dialogischen Bildungsansatz von Paulo Freires »Pädagogik der Unterdrückten«, bei dem die Künstler*innen und das Publikum aktiv an einer kollaborativen Wissensproduktion teilnehmen und die Konzepte des White Cube und des Klassenzimmers zu einem nicht-hierarchischen, inklusiven Gemeinschaftsraum erweitern.

Precariousness also affects the fields of culture and art, but these sectors still lack an in-depth critical analysis of this. The project proposal Überarbeit is a step in this direction.

– Filipe Lippe & Vijai Maia Patchineelam

BEGLEITPROGRAMM:

Event #1 / Eröffnung: 11.4.2026, 19 Uhr, Artist Talk, Diskussion und Dinner Encounter mit Filipe Lippe & Vijai Maia Patchineelam

Wie können Künstler*innen der zunehmenden Prekarisierung der Arbeit durch den Aufbau von Allianzen, gegenseitiger Hilfe und kollaborativen Praktiken begegnen? Einführung in das Thema und die Methodik des Projekts. Es werden grundlegende theoretische Arbeiten und Initiativen vorgestellt, die das Projekt beeinflusst haben.

Bitte reservieren via: reservation@m-bassy.org

Event #2: 18.4.2026, 19 Uhr, Reading Session, Listening Session und Diskussion mit Filipe Lippe & Vijai Maia Patchineelam

Die Lesung umfasst Auszüge aus Artikeln und Büchern von Autoren wie Paulo Freire, Frantz Fanon, Katja Praznik, Alexandra Kollontai, Guy Debord, Silvia Federici, Mário Pedrosa, Ricardo Basbaum, Nancy Fraser und Ricardo Antunes. Die Hörsession präsentiert ein Audioarchiv mit Musik der afrikanischen Diaspora und experimenteller Popmusik, unterbrochen von Auszügen aus Vorträgen, Gedichten und Interviews zu Themen rund um die Arbeitswelt, Klassenverhältnisse und Kolonialgeschichte, darunter Gang of Four, Nelson Cavaquinho, Stereolab, Stuart Hall, Max Roach, Amiri Baraka, Victoria Santa Cruz, Archie Shepp, Walter Rodney, Fred Hampton, Carlos Puebla, Fela Kuti, Wladimir Iljitsch Lenin, Chico Buarque de Holanda und Sun Ra.

Bitte reservieren via: reservation@m-bassy.org

Event #3: 2.5.2026, 19 Uhr, Filmscreening und Diskussion mit Filipe Lippe & Vijai Maia Patchineelam

Bei der dritten öffentlichen Veranstaltung zeigen wir den »Volkswagen – Factory workers in Germany and Brazil« (1974) von Jorge Bodanzky und Wolf Gauer. In diesem Film schildern Gauer und Bodanzky - ein Filmemacher des post-Cinema Novo - das Leben und die materiellen Bedingungen zweier Volkswagen-Fabrikarbeiter*innen in Brasilien und Deutschland. Zur Vorbereitung auf die Filmvorführung findet eine gemeinsame Lesung statt, um den Kontext zu erläutern und eine Richtung für die Diskussion am Ende der Veranstaltung vorzugeben.

Bitte reservieren via: reservation@m-bassy.org

TEILNEHMENDE KÜNSTLER, FORSCHER & PÄDAGOGEN:

Filipe Lippe, 2025 ©Foto: der Künstler

Filipe Lippe

Filipe Lippe (geb. 1986 in Duque de Caxias, Rio de Janeiro, Brasilien; lebt in Berlin) ist Künstler, Dichter und Theoretiker. Derzeit promoviert er in Kunstphilosophie an der Hochschule für bildende Künste Hamburg. In seiner Dissertation analysiert er aus einer unorthodoxen dialektisch-historisch-materialistischen Perspektive die Wechselbeziehung zwischen Klassenungleichheit, Rassismus und der Reproduktion kolonialer Mechanismen der sozialen Organisation innerhalb der brasilianischen Kunst unter dem Neoliberalismus. In den letzten Jahren stellte Lippe seine Arbeiten in verschiedenen Institutionen, unabhängigen Räumen und Galerien aus, darunter im Museu Afro-Brasil, São Paulo, Brasilien; Friche la Belle de Mai, Marseille, Frankreich; Instituto Guimarães Rosa, Mexiko-Stadt, Mexiko; Casa de Cultura Mário Quintana, Porto Alegre, Brasilien; Centro Municipal de Arte Hélio Oiticica, Rio de Janeiro; M.Bassy e.V., Hamburg; und Haus für Poesie, Berlin. Als Pädagoge hat er an Universitäten und Kunstakademien wie der Leuphana Universität Lüneburg; der Hfb; und der UDK Berlin unterrichtet. Seine Texte wurden auf verschiedenen Online-Plattformen und in Magazinen wie »Arts of the Working Class«, »Revista Celeste« und »Stedelijk Journal« veröffentlicht.

Vijai Maia Patchineelam, 2022 ©Foto: Aurélie Bayad für MORPHO, Antwerpen, Belgien

Vijai Maia Patchineelam

Vijai Maia Patchineelam (geb. 1983 in Niterói, Rio de Janeiro, Brasilien; lebt in Berlin) ist Künstler, Forscher und Pädagoge. Seine künstlerische Praxis konzentriert sich auf den Dialog zwischen derm Künstlerin und der Kunstinstitution. Patchineelam stellt die Rolle der Künstlerin / des Künstlers als Arbeiterin in den Vordergrund und experimentiert in seiner forschungsorientierten künstlerischen Praxis mit einer dauerhafteren Rolle für Künstlerinnen – einer Rolle, in der Künstler*innen zu einem wesentlichen Bestandteil der inneren Funktionsweise von Kunstinstitutionen werden. Diese Verschiebung der Rollen ist Teil einer größeren Untersuchung in seiner Doktorarbeit an der Royal Academy of Fine Arts Antwerp und der University of Antwerp, Belgien, sowie am a.pass (Advanced Performance and Scenography Studies) in Brüssel, Belgien. Als Ergebnis seiner Doktorarbeit hat Patchineelam das Buch »The Artist Job Description: for the Employment of the Artist, as an Artist, Inside the Art Institution« (2022) bei Track Report, Antwerpen, in Zusammenarbeit mit OAZA, Zagreb, Kroatien und a.pass, Brüssel, veröffentlicht. Als Pädagoge hat Patchineelam an der Royal Academy of Fine Arts Antwerp; bei a.pass in Brüssel; an der Philippine Women's University in Manila, Philippinen; und bei der Foundation for Indian Contemporary Art in Neu-Delhi, Indien unterrichtet und Workshops geleitet. Derzeit ist er Gastdozent im Advanced Master of Research in Art and Design an der Sint Lucas Antwerpen.

Wir danken dem Bezirksamt Eimsbüttel sowie der Behörde für Kultur und Medien in Hamburg für ihre Förderung und Unterstützung des Projektes.

Kulturbeoerde Hamburg