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Ausstellung

Januar 2021
GODDESSES OF HEALING
Tabita Rezaire, Berni Searle, Buhlebezwe Siwani & Lorna Simpson

AMAHUBO, 2018, 3-CHANNEL DIGITAL 4K PROJECTION VIDEO INSTALLATION, SOUND, 13 MIN, 1 SEC, COURTESY THE ARTIST

In der zweiteiligen Gruppenausstellung GODDESSES OF HEALING werden Video-Arbeiten der zeitgenössischen Künstlerinnen TABITA REZAIRE (*1989 Paris) BERNI SEARLE (*1964, Kapstadt), LORNA SIMPSON (*1960, New York), und BUHLEBEZWE SIWANI (*1987, Johannesburg) gezeigt, die – jede auf ihre Weise – den Schwarzen Körper als sinnbildliches Gefäß kultureller Verletzungen, Geschichte, Erinnerung und Verortung betrachten.

In den Räumlichkeiten der M.BASSY E.V. werden die Arbeiten der drei Künstlerinnen BERNI SEARLE, LORNA SIMPSON und BUHLEBEZWE SIWANI zu sehen sein. Ergänzend gibt es ein Screening mit Arbeiten von TABITA REZAIRE in den Räumlichkeiten von ÂME NUE.

Seitdem die Videokamera in den 1960ern Einzug in die internationale Kunstszene hielt, wurde sie vor allem und hauptsächlich von Künstlerinnen verwendet. Die Möglichkeit zu Experimentieren und zur Selbstrepräsentation, die das Medium bot, sowie der im Kunstbereich noch unbesetzte, unreglementierte Raum, machte Videokunst zu einer künstlerischen Ausdrucksform der Avantgardistinnen. Die Videokamera wird von vielen zeitgenössischen Künstlerinnen als Katalysator für therapeutische, aufklärerische und expressive Zwecke genutzt, zum Empowerment und zur Entwicklung eines besseren Gespürs für das Selbst und den Umgang mit Identitäten. Die Körperlichkeit, die sich durch das Performen vor der Kameralinse ergibt, bietet eine seltene Chance, die Kontrolle über den eigenen Körper zurückzuerobern und sich unter selbst gestalteten Bedingungen im öffentlichen Raum zu positionieren.

Die Ausstellung GODDESSES OF HEALING evoziert eine machtvolle Reise der Heilung von kulturellen Wunden und historischen sowie sozialen Ungerechtigkeiten. Die Videoarbeiten der afroamerikanischen Künstlerin LORNA SIMPSON und der südafrikanischen Künstlerinnen BERNI SEARLE und BUHLEBEZWE SIWANI gehen auf performative Weise den komplexen Verflechtungen von Verortung, Identität und Zugehörigkeit nach. Sie thematisieren nicht nur die Bedeutung von sozial-konstruierten Markern wie Rasse, Ethnizität, Gender, Sexualität und Territorium, die mit der Politik der kulturellen Auslöschung und des strukturellen Ausschlusses einhergehen, sondern werfen ebenso einen ganzheitlichen Blick auf die Triade aus Körper, Geist und Seele. Indem die Künstlerinnen dabei vor allem stille und leise Narrative wählen und verkörpern, setzen sie sich gesellschaftlich auferlegten Rollenmodellen und der westlichen Geschichtsauffassung entgegen. Das Akzeptieren, Ausspielen und Aussprechen von Traumata und unbewältigten Ungerechtigkeitserfahrungen sind essentiell, um eine individuelle und kollektive Heilung zu ermöglichen.

Die Ausstellung GODDESSES OF HEALING wird durch die Satelliten-Ausstellung TABITA REZAIRE AT ÂME NUE in den Räumlichkeiten von Âme Nue erweitert. Die Künstlerin, Yogalehrerin und Heilerin TABITA REZAIRE sieht sich selbst als Inkarnation der Unendlichkeit zum Mittel der Heilung und navigiert sich in ihren Video-Arbeiten durch digitale und körperliche Erinnerungen sowie das Vermächtnis der Ahnen um alte koloniale Fehlsteuerungen anzugehen und zu transformieren. Die Arbeiten von TABITA REZAIRE werden in den Räumlichkeiten von Âme Nue zu festgelegten Screening-Zeiten gezeigt.

Die Ausstellung GODDESSES OF HEALING, die von M.Bassy e.V. in Kooperation mit Âme Nue kuratiert und organisiert wird, möchte diesen Fragen einen Anstoß geben. Wir danken der Daimler Art Collection, Stuttgart/Berlin für ihre Leihgabe sowie der Behörde für Kultur und Medien Hamburg, der Claussen-Simon-Stiftung und der Rudolf Augstein Stiftung für ihre finanzielle Unterstützung.

KÜNSTLERINNENLISTE:

BERNI SEARLE (*1964 KAPSTADT)

Berni Searl bedient sich den Medien Fotografie, Video und Installation, um Narrative kolonialer südafrikanischer Vergangenheit, Erinnerungskultur, Raum- und Körpererfahrung zu erforschen und universellen Emotionen in Verbindung mit Verlust, Verletzlichkeit und Schönheit in einer oftmals performativen künstlerischen Praxis nachzugehen. Sie erhielt u.a. den Minister of Culture Prize der Dak’art Biennale (2000) sowie den Standard Bank Young Artist Award (2003) und wurde als Rockefeller Bellagio Creative Arts Fellow geehrt (2014). Searle hat ihr Werk international, u.a. am Victoria and Albert Museum, London, Museum of Contemporary Art of Rome, Museum of Modern Art, New York, San Francisco Museum of Modern Art, präsentiert und war auf der 2. Johannesburg Biennale (1997) sowie auf der 49. (2001) und 51. (2005) Venedig Biennale vertreten.

SNOW WHITE, 2001, DOUBLE PROJECTION VIDEO INSTALLATION, SYNCHRONIZED, SOUND, 9 MIN., COMMISSIONED BY THE FORUM FOR AFRICAN ARTS FOR THE EXHIBITION AUTHENTIC/ EX-CENTRIC, 49TH VENICE BIENNALE, ITALY, COURTESY THE ARTIST AND STEVENSON GALLERY

In ihrer Videoarbeit SNOW WHITE greift Berni Searle die perfiden diskriminatorischen Klassifizierungsstrategien unter der Apartheid in Südafrika auf, indem sie ihren eigenen Schwarzen Körper vorführt. Die Künstlerin wird aus zwei unterschiedlichen Perspektiven gefilmt – frontal sowie vertikal von oben. Wasser und weißes Mehl rieseln an ihrem nackten Körper herunter und legen sich als dünne, blasse Schicht über ihre Haut – ein ästhetisch-poetisches. körperliches Maskieren an der Schwelle vom äußeren und inneren Sein. Searle beginnt das Mehl zusammen mit dem Wasser zu einem plastischen Teig zu kneten – eine individuelle Suche nach den Möglichkeiten und Potentialen von Identität und Weiblichkeit jenseits von kategorischen, oberflächlichen Zuschreibungen. Ebenso verweist der Titel SNOW WHITE, der an das Märchen Schneewittchen der Gebrüder Grimm anlehnt, auf die Normalität sexistischer, rassistisches Narrative und Darstellungen. Die performative körperliche Praxis dient Searle als Weg sich selbst neu zu erfinden.

BUHLEBEZWE SIWANI (*1987 JOHANNESBURG)

BUHLEBEZWE SIWANI (*1987 Johannesburg) beschäftigt sich in den Medien Fotografie, Video, Performance, Installation und Skulptur mit den patriarchalen Machthoheiten in der Existenz Schwarzer Frauen im Kontext Südafrikas. Als initiierte Sangoma (spirituelle Heilerin) nutzt Siwani ihre künstlerische Arbeit, um in die religiösen Strukturen und zumeist verwirrenden Beziehungen zwischen Christentum und afrikanischer Spiritualität einzutauchen. Sie hat international, wie u.a. auf der Curitiba Biennale (2019); Bamako Biennale (2019); documenta 14 (2017), Kassel; am Kalmar Art Museum; bei der Foundation Louis Vuitton, Paris; in der Iziko National Gallery, Kapstadt und am Museum Africa in Johannesburg ausgestellt.

Die 3-kanaligen Videoarbeit AMAHUBO (2018) zeigt eine Gruppe weiß gekleideter Frauen, die im südafrikanischen Landschaftsraum eine performative Zeremonie abhalten. Als Voice-over hören wir ein Gedicht der Poetin Christie van Zyl, das von der Geschichte des Landes und der noch lebendigen Erinnerungen an räumlicher Segregation, sexistischer und rassischer Diskriminierung und der Unterdrückung afrikanischer Spiritualität durch das Christentum erzählt. Der Schwarze weibliche Körper zeigte sich im Kontext der Christlichen Kirche besonders verletzlich: Zum einen mussten sich Schwarze Frauen rein physisch für die Kirche aufopfern, zum anderen wurden sie mit der Ideologie weißer „Reinheit“ drangsaliert. An einem Ort, an dem man Frieden und Trost finden sollte, begegneten sie Ausbeutung, Unterdrückung und Ausschluss. Siwani erzählt von der heutigen Rückeroberung dieser – landschaftlichen, geistigen, spirituellen – Räume, die mit einer Rückbesinnung von Schwarzen Frauen auf ihre innere Weisheit und ihr natürliches Erbe einhergeht. Das Wort amahubo bezieht sich dabei auf Selbstliebe und die göttliche Kraft in einem jeden Selbst – jenseits patriarchaler religiöser Vorstellungen eines einzigen Gottes.

AMAHUBO, 2018, 3-CHANNEL DIGITAL 4K PROJECTION VIDEO INSTALLATION, SOUND, 13 MIN, 1 SEC, COURTESY THE ARTIST

Die Videoarbeit AMAHUBO von Buhlebezwe Siwani geht der Verbindung von Weiblichkeit, Territorium, Religion und Spiritualität nach. Unter der Apartheid in Südafrika waren die Enteignung von Land, räumliche Segregation, geschlechtliche und rassistische Diskriminierung und die Unterdrückung afrikanischer Spiritualität durch das Christentum an der Tagesordnung. Der Schwarze weibliche Körper zeigte sich im Kontext der Christlichen Kirche besonders verletzlich: Zum einen mussten sich Schwarze Frauen rein physisch für die Kirche aufopfern, zum anderen wurden sie mit der Ideologie Weißer „Reinheit“ drangsaliert. An einem Ort, an dem man Frieden und Trost finden sollte, begegneten sie Ausbeutung, Unterdrückung und Ausschluss. Siwani erzählt von der heutigen Rückeroberung dieser – landschaftlichen, geistigen, spirituellen – Räume, die mit einer Rückbesinnung von Schwarzen Frauen auf ihre innere Weisheit und ihr natürliches Erbe einhergeht. Das Wort amahubo bezieht sich dabei auf textliche Passagen über Selbstliebe und die göttliche Kraft in einem jeden Selbst – jenseits patriarchaler religiöser Vorstellungen eines einzigen Gottes.

LORNA SIMPSON (*1960 NEW YORK)

Lorna Simpson bedient sich den Medien Fotografie, Video und Installation und widmet sich den Erfahrungen afroamerikanischer Frauen in der Gesellschaft. Das visuelle Archiv ihrer konzeptuell angelegten Arbeiten speist sich aus historischen Bildern sowie gegenwärtigen Porträts. In einem transformierenden Prozess der Ent-Ortung und neu-Verortung entstehen fragmentierte Narrative um Identität, Gender, Raum und Zeit, die der Betrachter mit seinen eigenen Erwartungen ergänzen und sich des konstruktiven und trügerischen Charakters dieser Kategorien bewusstwerden soll. Simpson erhielt u.a. den Whitney Museum of American Art Award (2001) und ist Mitglied der American Academy of Arts and Sciences (seit 2016). Sie war in zahlreichen internationalen Ausstellungen vertreten und hat an der documenta 11 (2002) in Kassel und der 56. Venedig Biennale (2015) teilgenommen.

Lorna Simpson, Cloudscape, 2004 Single-channel video installation, black and white, sound, looped, Copyright by Lorna Simpson – Courtesy the artist and Hauser & Wirth

In Lorna Simpsons Videoarbeit CLOUDSCAPE wandert ein von Nebelschwaden eingehüllter Mann (der Künstler Terry Adkins) einsam durch den dunklen leeren Raum, während er eine Melodie vor sich hin pfeift. In einem Lichtstrahl tritt seine Silhouette immer wieder aus der Nacht hervor. Die diffuse räumliche Ästhetik wird durch die Installation des Videos als Loop auch auf die zeitliche Kategorie übertragen. Pfeiffen und Summen sind musikalische Praktiken und generieren einen persönlichen, sinnlichen und emotionalen Ausdruck. Simpson erschafft mit ihrem Bild des einsam pfeifenden, im Nebel wabernden Schwarzen Mannes ein poetisches Abbild des Werdens und Vergehens – ein Versuch des Abschieds von vergangenen rassistischen und sexistischen Zuschreibungen, die sich im oberflächlichen Dunst verlieren, doch weiterhin in unserem Unbewusstsein nachklingen.

TABITA REZAIRE (*1989 Cayenne, Französisch-Guyana)

Die Künstlerin, Yogalehrerin und Heilerin TABITA REZAIRE (*1989 Cayenne, Französisch-Guyana) sieht sich als die Inkarnation der Unendlichkeit zum Mittel der Heilung. In ihrer dimensionenübergreifenden Praxis bedient sie sich Netzwerkwissenschaften und schlägt organische, elektronische und spirituelle Heilungstechnologien vor, die dem Wandel zum Herzbewusstsein dienen sollen. In ihren Videos navigiert sie sich durch digitale und körperliche Erinnerungen sowie das Vermächtnis der Ahnen, um alte Fehlsteuerungen, die durch den Kolonialismus hervorgerufen wurden, anzugehen und unser Körper-Geist-Seele-Gefühl zu beeinflussen. Rezaire ist Gründungsmitglied der Künstlergruppe NTU, die Hälfte des Duos Malaxa und die Mutter des Energiehauses SENEB. Ihre Arbeiten wurden u.a. in folgenden Institutionen gezeigt: Centre Pompidou, Paris; MASP, Sao Paulo; Serpentine, London; MoMa, NY; New Museum, NY; Gropius Bau, Berlin; MMOMA, Moskau; Museum of Contemporary Art, Chicago; Hek, ICA London; V&A London; National Gallery Denmark; The Broad LA; Berlin; MoCADA, NY; Tate Modern, London; Museum of Modern Art, Paris; Guangzhou Triennale, Kochi Biennale, Athen Biennale, Berlin Biennale 2009 und Performa 17.

Opening weekend im Januar in Anwesenheit von Buhlebezwe Siwani

Reservierungen unter reservation@m-bassy.org
M.Bassy e.V.
Schlüterstraße 80, 20146 Hamburg
Öffnungszeiten während der Ausstellung: Mi – So: 14 – 18 Uhr und nach Vereinbarung

Öffnungszeiten: Mi – So, 14 – 18 Uhr

Satellitenausstellung: GODDESSES OF HEALING: TABITA REZAIRE AT ÂME NUE

5.12. - 20.12.2020
Soft Opening: 4 Dezember 2020 ab 19 Uhr

Âme Nue
Schaarsteinwegstorbrücke 2, 20459 Hamburg
Detaillierte Informationen zu den Öffnungszeiten auf: ame-nue.com .

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