zurück

Ausstellung

re:Präsentationen
mit Arbeiten von Natasha A. Kelly, Lemia Monét Bodden und dem Projekt »Homestory Deutschland«

Re:Präsentationen ist eine Ausstellung, die vom Hamburger Team des Black History Month organisiert wird. Sie versteht sich als Akt des Widerstandes in der weiß dominierten Kunstszene. Die Ausstellung dient Schwarzen Menschen in Deutschland als Medium, sich selbst zu vertreten und sich in ihrer Einzigartigkeit als Künstler_innen, Influencer, und als Einzelpersonen zu präsentieren. Re:Präsentationen beinhaltet das »Homestory Deutschland« Projekt der ISD, welches Biografien einflussreicher Schwarzer Deutscher zeigt. Zu sehen sein wird auch der gefeierte, neue Film von Natasha A. Kelly „Millis Erwachen“ über das Leben Schwarzer Künstlerinnen aus Deutschland. Außerdem wird die aktuelle Arbeit der Fotografin Lemia Monét Bodden gezeigt, in der sie sich Schwarzen Hamburger_innen aus allen Gesellschaftsschichten widmet. Ihre Porträts sind angelehnt an das re:present Projekt von Wasi Daniju.


I’m Not Who You Think I’m Not #36: Milli’s Awakening

Millis Erwachen

Ein Film von Natasha A. Kelly

Nadu, Jahrgang 1955, Maskenherstellerin, Naomi, Jahrgang 1965, Schauspielerin, oder Maciré, Jahrgang 1995, Studentin sind drei von acht Protagonistinnen, die die Gemeinsamkeit haben als Schwarze Frauen ihren Lebensmittelpunkt in Deutschland zu haben und im Kunstkontext tätig zu sein. Ihre biographischen Erzählungen zeigen, inwieweit die Beschäftigung mit Kunst (in all ihren Ausprägungsformen) als »Heilmittel« dienen kann, gelebte emotionale Isolation und gesellschaftliche Unterdrückung zu lindern. Denn Schwarze Frauen wurden seit jeher durch den weißen männlichen Blick erotisiert und exotisiert. In den als »Klassiker« geltenden Werken vieler Expressionisten wurden sie lediglich als »Objekte der Begierde« abgebildet.

Der Maler Ernst Ludwig Kirchner (1880 – 1938) beispielsweise suchte zur Blütezeit des deutschen Kolonialismus weniger die Anatomie des Frauenkörpers zu erforschen. Vielmehr ging es ihn darum, über die vermeintliche »Naturgebundenheit« seiner Motive seine eigene Manneskraft zu spüren. 1911 malte er die »Schlafende Milli« nackt auf einer Couch liegend. Als Inspirationsquelle ließ er nur die eigene Potenz gelten. Während zahlreiche Kunsthistoriker/innen neben der Ästhetik auch die Sexualfantasien von Kirchner in den Fokus ihrer Analysen nehmen, taucht der Film in die Gedanken- und Gefühlswelt seiner »Muse« ein und lässt Milli sinnbildlich erwachen. In Interviews mit der Filmemacherin Natasha A. Kelly kommen Schwarze Kunstschaffende verschiedener Generationen zu Wort, die in und durch ihre künstlerische Arbeit die gängigen kolonialtradierten Stereotype überwunden und ihre eigene selbstbestimmte Identität als Schwarze Frauen innerhalb der weißen deutschen Mehrheitsgesellschaft ausgeformt haben. Sie berichten von ihren Herausforderungen in und mit deutschen Kunstinstitutionen, von visueller Repräsentation und politischer und sozialer Ausgrenzung. Wo lässt sich auf ihren Erfahrungen aufbauen? Welche Strategien können zusammengebracht werden? Welche müssen neu gedacht werden? Kunst bildet damit nicht nur die Architektur des Films, sondern wird auch als Grundstein für den sozialen und politischen Aktionismus der Projektbeteiligten dargestellt. In der gleichnamigen, zweisprachigen Publikation werden die geführten Interviews in ihrer vollen Länge abgedruckt. Ziel ist es, die Bedeutung künstlerischen Schaffens aus einer Schwarzen feministischen Perspektive aufzuzeigen.

Dr. phil. Natasha A. Kelly

Dr. phil. Natasha A. Kelly ist freie Autorin, Kuratorin und Wissenschaftlerin. In ihren Arbei-ten verbindet sie Theorie und Praxis und schafft es damit Transferleistungen zwischen Wis-senschaft, Gesellschaft und Politik herzustellen. Zudem ist sie seit vielen Jahren in der Schwarzen deutschen Community engagiert. Neben ihrer beratenden Tätigkeit für verschie-dene Kunstinstitutionen ist sie die künstlerische Leiterin der Theaterreihe »M(a)y Sister«, die seit 2015 am HAU Hebbel am Ufer Theater in Berlin aufgeführt wird. Ihr Debütfilm »Millis Erwachen« (2018) lief von Juni bis September 2018 auf der 10. Berlin Biennale und wird von Oktober 2018 bis März 2019 am Museum für Moderne Kunst MMK in Frankfurt zu sehen sein. Mit der gleichnamigen Publikation und ihrem gleichzeitigen Debüt als Filmemacherin stellt sie entgegen den gängigen Formaten der Dominanzgesellschaft kollektive Erfahrungen und Gefühle von Schwarzen Künstlerinnen in ihrer Vielfältigkeit und Verwobenheit dar, so dass die Kontinuität Schwarzer Feminismus in Deutschland sichtbar wird.

NatashaAKelly.com

Lemia Monét Bodden

Lemia Monét Bodden stammt aus der San Francisco Bay Area. Ihr BFA erhielt sie mit Auszeichnung von der New York University in Film Production. Lemia ist seit ihrem 12. Lebensjahr als Fotografin in über 40 Ausstellungen tätig, darunter die Vereinten Nationen, Momenta Art, das New York Photo Festival, das DUMBO Arts Festival, das MPLS Photo Center, das Freie Museum Berlin, Vox Populi, Root Division, ACUD MACHT NEU Galerie, ARLES 2018, und Ferencvarosi Gallery in Budapest, Ungarn. Nach zehn Jahren in New York und zwei Jahren in San Francisco lebt sie derzeit in Berlin.

qqfphoto.com

»Homestory Deutschland«

»Homestory Deutschland« ist ein kollektives Selbstporträt. Es greift afrikanische, afrikanisch amerikanische und Schwarze deutsche Erinnerungstraditionen auf, in denen der mündlichen und schriftlichen Weitergabe von gelebter Erfahrung eine maßgebliche Rolle zukommt. Schwarze Perspektiven und Reflexionen, Beiträge und Verdienste erfahren dabei als Quelle eines vielstimmigen und gemeinschaftlichen Wissens eine besondere Würdigung. Mit der Zusammenschau von siebenundzwanzig visuell aufbereiteten Biografien Schwarzer Männer und Frauen aus drei Jahrhunderten lässt sich einerseits exemplarisch erhellen, in welcher Weise sich gesellschaftliche und damit systemische Rahmenbedingungen in einzelne Lebensgeschichten einschreiben und diese formen und prägen. Andererseits wird es möglich, individuelle Verhandlungen und Entscheidungsfähigkeiten nachzuvollziehen und den ihnen innewohnenden aktiven und bewussten Gestaltungswillen hervortreten zu lassen, der die stete und oftmals mühsame Auseinandersetzung mit der weißen Mehrheitsgesellschaft eindrucksvoll bezeugt.

Während sechs bebilderte, stichpunktartige Zeitleisten die Existenz einer Schwarzen Geschichtlichkeit von der Frühen Neuzeit bis in die Gegenwart faktisch belegen und damit den historischen Rahmen verdeutlichen, sind die einzelnen Biografien bewusst keiner chronologischen Ordnung unterworfen, sondern stehen neben- und miteinander. Vergangene und gegenwärtige Lebensgeschichten kreieren so ihre eigene Raum/Zeit, überlagern sich, hallen ineinander wider und verknüpfen sich ständig neu. Das dadurch entstehende, Generationen verbindende, kommunikative Spannungsverhältnis erschwert es den BetrachterInnen, sich den porträtierten Personen aus sicherer Distanz zu nähern. Es gibt weder zeitlose noch vergangene Biografien, sondern sie sprechen alle – als Geschichten in Bewegung – im Hier und Jetzt. Sie fordern Interaktion.

homestory-deutschland.de

Black History Month Hamburg

Jedes Jahr im Februar wird in zahlreichen Ländern der Black History Month (BHM) gefeiert. Diese Tradition geht auf das Jahr 1926 zurück, als der Historiker Carter G. Woodson eine Veranstaltungsreihe initiierte, um die breite Öffentlichkeit in den USA über Schwarze Geschichte und die kulturellen, wirtschaftlichen und gesellschaftlichen Leistungen der afro-amerikanischen Bevölkerung aufmerksam zu machen.

Seit dem ersten Hamburger BHM 1996, der anfangs in kleinerem Rahmen von der US-amerikanischen Sängerin Cynthia Utterbach initiiert wurde, ist die Popularität und das Programm stetig gewachsen. Mit einem reichhaltigen Programm aus künstlerischen Darbietungen diverser musikalischer Stilrichtungen, Tanzvorführungen, Vorträgen, Diskussionen, Ausstellungen, Filmbeiträgen, Poetry, Lesungen, Workshops, Talkshows, kulinarische Spezialitäten, Kunsthandwerk und einem speziellen Jugendprogramm erreichte der BHM in Hamburg ein stetig wachsendes Publikum.

Die Veranstaltungen des BHM stehen allen interessierten Menschen offen und fördern ein besseres Verständnis untereinander. Für Kinder und Jugendliche bietet sich eine gute Möglichkeit der positiven Identifikation mit der Schwarzen Gemeinschaft Hamburgs.

Facebook BHM Hamburg

Die Ausstellung wird auf einen späteren Zeitpunkt in diesem Jahr vertagt und die neuen Termine werden demnächst hier bekannt gegeben.